• Viele Übergewichtige stellen sich die Frage „Warum nehme ich nicht ab?“. Und selbst gut trainierte Athleten kommen mitunter ins Grübeln, weshalb sie ihren Körperfettanteil nicht deutlich reduzieren können. Statt nach einer Antwort auf die Frage zu suchen, stürzen sich die meisten blindlings in die nächste Hungerkur. Dabei rennen sie gegen ein Millionen Jahre altes Bollwerk – das eigene Gehirn. Das steuert ganz ohne unsere Kontrolle das Zu- und Abnehmen und wehrt sich so gegen das Schlanksein. Wer diesem Mechanismus auf die Schliche kommt, hat gute Chancen,sein Wunschgewicht zu erreichen und zu halten.

    Mittlerweile hat sich der Begriff „Diät“ zum roten Tuch entwickelt. Für viele steht das Diäthalten für Entbehrung, Stress, Verbote, schlechte Laune und Mangel an Lebensqualität. Insbesondere der Rückblick auf erlittene Diäterfahrungen könnte vielen Übergewichtigen und „Fettbekämpfern“ helfen, in Zukunft unnütze Diäten zu vermeiden. Dabei ist zunächst diese Frage zu stellen:

    „Warum habe ich die Diät abgebrochen?“
    Die Antworten können vielfältig sein:
    – Der Hunger war zu groß!
    – Die Einschränkungen waren zu strikt!
    – Lieblingslebensmittel mussten gemieden werden!
    – Die Familie hat gestreikt!
    – Zusatzpräparate waren zu teuer!
    – Zu viel Aufwand beim Einkaufen und Kochen!
    – Die Anwendung im Alltag war zu stressig!

    Neben diesen offenkundigen Gründen entscheidet jedoch eine noch viel stärkere Macht als liebgewonnene Gewohnheiten über Erfolg oder Scheitern unserer Abspeck-Mühen.

    Das Gehirn ist immer einen Schritt voraus

    Fettgewebe wird umgangssprachlich als Hüftgold bezeichnet. In dieser Bezeichnung steckt viel mehr bittere Wahrheit, als es im Allgemeinen wahrgenommen wird. Denn für das Gehirn ist das Fettgewebe tatsächlich ein Goldschatz. Den gilt es zu beschützen – vor allem gegen Diäten, Hungerkuren und ähnliche „Goldräuber“.

    Das Fettgewebe verzögert den Hungertod, reguliert den Stoffwechsel, beeinflusst die Funktion anderer Gewebe und Organe, schützt vor Unterkühlung und mechanischen Kräften und sichert damit die Arterhaltung. Ohne das Fettgewebe und seine effektive Regelung wäre der Mensch nicht das, was er heute ist.

    Es bestehen demnach zahlreiche Gründe, weshalb das Fettgewebe als genauso wichtiger Bestandteil des Körpers zu werten ist, wie zum Beispiel das Herz, die Muskeln oder die Augen. Daher wird der Zustand des Fettgewebes vom Gehirn pausenlos und akribisch kontrolliert. Dabei hilft dem Gehirn ein seit vielen Millionen Jahren in den Säugetieren gereifter Mechanismus, bestehend aus Nervenzellen, Hormonen, Rezeptoren, Enzymen, Transportern usw.

    Es handelt sich um einen perfekten Geheimdienst. Der sorgt für Totalüberwachung des Organismus rund um die Uhr. Und über dieses übermächtige und Millionenjahre erprobte System vermeint sich ein „kleines Menschlein“ innerhalb weniger Tage oder Wochen mit Diäthalten hinwegsetzen zu können. Selbstverständlich geht das schief: In dem Moment, in dem ein Abnehmwilliger darüber nachdenkt, mit welcher Methode er in nächster Zeit abnehmen will, hat das Gehirn bereits die Gegenmaßnahmen festgelegt. Bevor der Abnehmwillige mit der Diät beginnt, steht demnach fest, woran er scheitern wird. Er weiß es nur noch nicht.

    Denn neben den Abwehrmechanismen des Gehirns gibt es weitere Möglichkeiten, den Stoffwechsel hinsichtlich des langfristigen Körperfettabbaus zu blockieren. Dazu gehört auch der Wiederaufbau des verlorenen Gewichtes – also der so genannte Jo-Jo-Effekt.

    Zusammengefasst werden diese Prozesse unter der Bezeichnung „biologische Anpassung“. Die biologische Anpassung macht es dem Körper möglich, Diätmaßnahmen die Effektivität zu rauben bzw. deren Wirksamkeit mehr oder weniger im Nichts verpuffen zu lassen. Darin liegt auch eine wesentliche Ursache für das Versagen der vielen Diäten und Hungerkuren. Selbst die Wirkung von Fatburnern und Diät-Medikamenten kann der Körper über die biologische Anpassung abfangen.

    Das Spektrum der biologischen Anpassung ist immens und betrifft unter anderem die Veränderung der Fettverbrennung in der Muskulatur, die gesteigerte Fettbildung in der Leber, Rezeptorblockaden, Dysbalancen im Hunger-Sättigungs-Mechanismus, die Veränderung der körperlichen Bewegungsmuster, ungewöhnliche Hirnströme, die Inaktivierung fettzelltötender Substanzen und Blockaden im Fettgewebe der „Problemzonen“.

    Dauerhaft Abnehmen ohne den Körper durch Radikal-Kuren zu schädigen erfordert deshalb Geduld und ein langfristige Strategie: Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, Aktivierung des Stoffwechsels mit dem Ziel, mehr Energie zu verbrauchen als durch Essen und Trinken aufzunehmen.

    Bild: Shutterstock, vitstudio Text: shape up